Rund um das Festival

Dialog der Körperlichkeit

Landbote vom 7. Oktober 2013 

3 Tage, 3 Formate und rund 30 Künstler aus Australien, England, Frankreich, Deutschland, Polen, Kanada, Norwegen, Österreich und der Schweiz präsentierten ihre Arbeiten in einer einzigartigen Umgebung die vom Szenograf Thomas Giger gestaltet wurde. Künstler wie Besucher des Festival waren von den gezeigten Arbeiten und der Atmosphäre im Gaswerk Winterthur begeistert.

Ein audiovisuelles Erlebnis der besonderen Art im Gaswerk: Überraschend, sinnlich und abwechslungsreich präsentierten sich über das Wochenende die Performances im Rahmen des Festivals «perform now!». 

«Zwei Kinder stellen Fragen und wundern sich.» So wurde die permanente Installation Anton&Amen beschrieben, die es im Foyer des Gaswerks zu bestaunen gab. In gelben Regenjacken unter einem Schirm am Boden kauernd und in eine Plane gehüllt, stellten sie unter anderem die Verbindung ​zwischen Drachen und Dinosauriern in Frag​ e. Das Zürcher Künstlerduo Glaser/Kunz selbst bezeichnete seine In​stallation als «kinematografische Skulp​tur mit zwei Köpfen», die Wahrnehmung und Illusion geschickt mite​ inander verwebte. 

Den eigentlichen Programmstart am Freitagabend übernahm kurz dar​auf das Duo Fatale, das mit ungewöhnlichem Körpereinsatz Schokolade verflüssigte, um daraus Pralinés herzustellen. Der Topf wurde dabei fest an einem Dreibein installiert und die Konstruktion als solche wie ein Karussell benutzt, das man immer schneller um​runden musste. Begleitet wurde das «Jogging-Kochen» von beschwörenden ​Vokalismen sowie live eingespielten Soundcollagen und Saxofonklängen. Am Schluss wurden die Zuschauer dazu aufgefordert, einmal im sogenannten «Rührgürtel» zu laufen, um sich – entgegen der heutigen Konsumgesellschaft – ein Stück Schokolade zu verdienen. 

Menschen in Folie 

Von eindringlicher Sinnlichkeit war die Performance von Glynis Ackermann und Thomas Zollinger. Die beiden nackten Künstler hoben eine Cellophanfolie zwischen ihre Körper und schmiegten diese daraufhin aneinander. Die Folie wurde allein durch die Spannkraft der Muskeln in Bewegung gehalten, löste sich dann mit der Zeit und fiel zu Boden. Eindrücklich war vor allem, dass Ackermann und Zollinger über 15 Minuten nahezu stillstehen mussten. Ähnlich körperbetont zeigten sich die Slowenin Lili Mihajlovic und das Duo Cie Prototype Status. Während Mihajlovic still auf einem Kubus lag und sich nur langsam anmutig regte, bekamen die Besucher auf einer Leinwand im Hintergrund Informationen über den Körper der Künstlerin, wodurch diese als Ausstellungsexponat fungierte. 

Cie Prototype Status dagegen befanden sich innerhalb eines Glaskastens, der nur durch kleine diagonale Öffnungen einen Einblick gewährte und die ästhetischen Bewegungen eines Mannes und einer Frau erkennen liess. Das sehr gemischte Publikum, das den Künstlern jeweils in die verschiedenen Veranstaltungsräume folgte und somit ständig mit diesen im Fluss war, zeigte sich vom kreativen Input sehr angetan. «Ich persönlich fand die Folienperformance sehr faszinierend. Weil es echte Menschen und keine Schauspieler waren. Die Atmosphäre hat mich berührt», resümierte ein Besucher. 

Das Programm, zu dem am späteren Abend auch noch das Konzert der Winterthurer Band The Homestories zählte, bildete dabei nur einen Teil des alle zwei Jahre stattfindenden Festivals «perform now!», welches vom 3. bis zum 6. Oktober bereits zum dritten Mal im Gaswerk gastierte. 

Auf der Karte ein Punkt 

Begleitet wurden die Aufführungen unter anderem von Arbeiten im öffentlichen Raum, wie etwa einer Installation auf dem Katharina-Sulzer-Platz und am Stadtgarten, die nach Kafkas «Verwandlung»-Titelfigur Gregor Samsa benannt wurde. Eine Stadtführung zu den verschiedenen Aktionen übernahmen am Wochenende die Choreografen Annie Vigier und Franck Apertet. Auch die Nachwuchsplattform Trans​formator und das Symposium Transscript bildeten wichtige Eckpfeiler des Angebots. 

Ins Leben gerufen wurde «perform now!» 2009 vom Winterthurer Performancekünstler Thomas Lang. «Performer haben in der Schweiz generell wenig Auftrittsmöglichkeiten. Ich wollte den ästhetischen Prozess sichtbar machen und dazu eine klare Ausrichtung und vorgegebene Perspektiven auflösen.» Was sich der Festivalleiter für die Zukunft wünscht: «Dass Winterthur auf die Landkarte des modernen Kunstschaffens gelangt und sich das auch in der finanziellen Unterstützung niederschlägt.» 

Landbote, 7. Oktober 2013, Sarah Stutte 

Sind sie schon Partner des Festival?

Eine Partnerschaft bringt nicht nur Vergünstigungen an den Veranstaltungen des Festivals, sondern die Kulturlandschaft Winterthur und Region wird um ein einzigartiges Ereignis bereichert.  

Werden sie Mitglied, Gönner oder Partner des Festivals! >>

 

JETZT ONLINE SPENDEN!

Das Festival PERFORM NOW gibt es nur dank Spenden, Gönnerbeiträgen und Beiträgen von Institutionen. Damit das Festival langfristig Künstler und Künstlerinnen jenseits des Mainstream präsentieren kann, zählt jeder Franken. 

Spenden >>